Meine Fahrmaschine: Tern Verge s8i. Teil 2.

Nach knapp einem Monat Fahrspaß mal kurz eine Zusammenfassung der Ereignisse. Radfahren in Hamburg ist nicht ganz ungefährlich. Zum Teil muss man sich da wirklich überwinden und einfach weitertreten. Aber man gewöhnt sich und bislang habe ich eher Probleme mit anderen Radfahrern und weniger mit den Autofahrern. Die Biker hier fahren alle wie die Henker, egal ob Männlein oder Fräulein. Immer Full-Speed und ohne Rücksicht auf Verluste. Sogar ohne Helm. Ich bilde mir eigentlich ein, dass ich nicht langsam unterwegs bin, aber es rauschen andere nur so rechts und links an mir vorbei. Wenn ich mal vorne an einer Ampel stehe, kann ich davon ausgehen, dass sich gleich mehrere noch vor mich stellen, jeder möchte noch ein Stück weiter vorne stehen um der/die erste zu sein.

e-Scooter ahoi!

Seit ein paar Wochen kommen jetzt auch noch die e-Scooter-Leute dazu, dann wird’s ganz unheimlich. Zum Glück fahren viele auf dem Bürgersteig – was sie ja nicht dürfen. Schlimm sind aber tatsächlich die Fahrradwege – so vorhanden – im Stadtgebiet. Auf meinen Strecken gibt es nur wenige und diese gleichen oft einer Huckelpiste. Ein Hoch auf meine Ballonreifen, die schlucken da so einiges weg. Ansonsten gehts einfach auf die Straße, wo aber kein Platz für Auto und Fahrrad zugleich ist. Oder man muss auf kombinierten Fußgänger-Räder-Wegen fahren, wo eben auch kein Platz für beide zusammen ist. Ich brauche jedenfalls noch eine lautere Klingel.

Ladung.

Vom Equipment habe ich jetzt einen Helm von Poc, der leicht, gut geformt und auch sicherheitstechnisch nicht schlecht ist. Dann habe ich endlich eine Gepäckträgertasche gefunden, die passt und in die ich meine wichtigsten Sachen für den Tag reinbekomme. Nur den Helm nicht. Für den habe ich nun extra noch einen kleinen und leichten Rucksack von booq dabei. Den habe ich schon sehr lange und der ist dafür perfekt. Die Gepäckträgertasche ist von Ortlieb und ist wasserdicht und mit einem Schnellschließsytem ausgestattet. So kann man die auch auf dem Gepäckträger belassen, wenn man kurz irgendwo reingeht. Man kann an meinem Tern auch Seitentaschen verwenden, allerdings wollte ich das plötzlich nicht mehr, nachdem ich anfangs diese Lösungen am besten fand.

Überall Schweiß.

Warum keinen normalen Rucksack? Ich bin ja leider ein tüchtiger Schwitzer, schon vom normalen gehen schwitze ich im Sommer wie ein Schwein (warum sagt man das eigentlich?) und mit einem Rucksack auf dem Rücken wird das nicht besser. Das ist auf dem Rad sehr unangenehm, aber es stört auch beim fahren irgendwie mehr, wenn man so was auf dem Rücken hat. Mit meinem kleinen Boom-Rucksack ist das ok, aber da passt eben auch nur sehr wenig rein. Das mit dem schwitzen merke ich gar nicht mal so sehr beim fahren, aber wenn ich bei meiner S-Bahn-Station ankomme fange ich dermaßen an zu schwitzen, das mir die Brühe nur so den Kopf und am ganzen Körper runterläuft. Der Helm trägt natürlich auch seinen Teil dazu bei. Deshalb bin ich auch froh, dass ich morgens nur eine kleine Strecke fahre, denn sonst müsste ich mich in der Firma irgendwie trocknen, was ein Problem wäre. So komme ich nur Abends verschwitzt zuhause an und da kann man dann ja schnell unters Wasser.

Wo geht’s lang?

Zur Navigation habe ich jetzt eine App mit dem Namen Bike Citizens, die einen ordentlichen Job macht und für jede Strecke drei Optionen anbietet: Gemütlich, Normal und Schnell. Bis auf Normal habe ich schon alles probiert, das werde ich aber auch noch testen. Das funktioniert und bis jetzt bin ich sehr zufrieden damit.

Sancho Poncho.

Was mir noch fehlte war etwas für Regen, bis jetzt habe ich das Rad zuhause stehen gelassen, wenn es regnen sollte. Das wollte ich mir Anfangs erst einmal nicht antun. Nun habe ich mich aber entschieden, statt einer Regenkombi aus Jacke und Überhose einen Poncho zu testen, dieser ist auch gestern gekommen und macht einen guten Eindruck. Es ist ein Poncho von Hock, mal sehen wie das funktioniert.

Autsch!

Einen Sturz habe ich auch schon hinter mich gebracht, da kamen eine Dummheit und ein paar Kleinigkeiten zusammen, die mir ein paar blutige Stellen an Arm und Bein einbrachten, aber schnell wieder ok waren. Mein Problem ist immer noch ein wenig der sichere Stand beim anhalten. Ich wackel da auf einem Fuß balancierend immer noch zu sehr rum und gewöhne mir gerade an, ganz vom Sattel zu steigen und mit beiden Füßen zu stehen. Für den einbeinigen Stand ist der Sattel einfach zu hoch, wenn er richtig eingestellt ist. Viele scheinen da keine Probleme zu haben, ich wackel wie ein Wackeldackel. Zum Sturz führte ein vorangegangener Besuch beim Griechen (Retsina und Ouzo), ein ungeschicktes einlenken beim anhalten wollen und der nicht klappende Stand auf einem Fuß. Zack, umgefallen. Dem Rad ist aber nichts passiert 🙂

Feste treten.

Eine Sache werde ich am Rad wohl noch tauschen müssen: Die Steck-Pedale aus Metall sind zum Teil so scharf, dass ich mit kurzer Hose und ohne Socken mir schon zweimal das Bein und einen Fußknöchel aufgerissen habe. Ich fühle mich auch nicht besonders fest verbunden mit den Pedalen, vom Gefühl her müsste das gummiert sein. Da muss ich noch mal schauen, was es da an Alternativen gibt.

So, nun hoffe ich auf Regen, damit ich meinen Poncho einweihen kann.

Meine Fahrmaschine: Tern Verge s8i.

Vor knapp einer Woche ist endlich meine Fahrmaschine angekommen. Nach über 30 Jahren habe ich wieder ein Fahrrad, das diesen Namen verdient und mich sicher und zuverlässig durch den Alltag bringen soll.

Lange habe ich überlegt, was mir wichtig ist und welches Rad mir die meisten meiner Wünsche erfüllen könnte. Dabei ging es um folgendes:

  • Es sollte im Berufsverkehr transportierbar sein (Bahn und Bus; hier in Hamburg kann man normale Räder erst ab 9 Uhr mitnehmen, Falträder sind aber jederzeit möglich).
  • Es sollte auch für längere Touren am Wochenende oder im Urlaub geeignet sein.
  • Daher sollte es auch problemlos im Auto transportierbar sein.
  • Auch schwereres Gepäck sollte für Touren zu befestigen sein.
  • So leicht wie möglich.
  • Keine Kettenschaltung bitte! Habe ich mich noch nie wohlgefühlt mit.
  • Keine Rücktrittbremse! dto.
  • So viele Gänge wie nötig, aber so wenige wie möglich.
  • Stabil und wendig und so leicht wie möglich.
  • Scheibenbremsen! Felgenbremsen traue ich nicht.
  • So klein wie möglich, aber so groß wie nötig.
  • Keine Experimente! Also keine besonders Design-orientierten oder mit technischen Neuerungen entwickelten Versuchsmaschinen.

Es kamen dann noch eine ganze Reihe kleinerer Punkte dazu, die Liste wurde immer länger, aber dadurch wurde es auch immer schwieriger, geeignete Räder zu finden. Typischerweise – für mich – kam ich dann an einen Punkt, wo ein paar Räder übrig blieben, bei denen jeweils irgendetwas fehlte und ich mich einfach für keins entscheiden konnte. Ein Rad kristallisierte sich aber dann als klarer Favorit für mich heraus: Das Tern Verge s8i. Es schwächelte nur in wenigen Bereichen:

  • Gewicht
  • Faltmaß
  • Preis!
  • P r e i s ! !

Der Preis lag weit über dem, was ich bereit war auszugeben. Daher ließ ich es erst einmal links liegen und konzentrierte mich auf andere Räder. Kurz wollte ich einfach auf Nummer sicher gehen und ein Brompton nehmen. Diese fand ich aber auch viel zu teuer und die Reifen dann doch zu klein. Außerdem auf meiner Liste der möglichen Räder: Birdy, Bernds und ein Tern der Link-Reihe. Aber das Problem blieb, die gut ausgestatteten Räder waren zu teuer (bei einem Birdy oder Bernds landet man auch ganz schnell über 2000 Euro) und die Tern-Link-Räder waren gut, aber nicht gut genug. Da fehlte mir immer irgendetwas.

Was tun? Nach gebrauchten Rädern forschen.

Bei Brompton ist das kein Problem eins zu finden, damit hatte ich aber abgeschlossen. Die Tern-Link-Räder hatte ich auch über. Birdys gab es manchmal, aber meist alte, abgerockte Geräte, während die neueren alle mit Kettenschaltung waren. Auch wieder nichts Passendes über Monate dabei. Einer meiner Favoriten – Bernds – vom Anfang wurde mir irgendwie immer unsympathischer, man kann ja bei jedem Fahrrad genug Negatives finden, aber bei den Bernds konnte ich das nicht ignorieren. Mein Nr. 1 Favorit, das Verge s8i, gabs gebraucht praktisch nicht, und wenn, dann quasi zum Neupreis oder knapp darunter. Ich gab auf und dachte schon, das wird nichts mehr.

Dann stieß ich durch Zufall auf eine Sommeraktion von fahrrad.de: viele Räder sowieso schon günstiger und zusätzlich noch 20 % Rabatt! Geguckt, mein s8i für 1800 und ein paar zerquetschte und dann noch mal minus 20 % – mmmmh, ist mir momentan echt zu teuer, aber was steht da, 0 % Finanzierung für 1 Jahr, das sind schlappe 176 Tacken im Monat, verdammt, das schaffe ich nicht und bedeutet Krach und Ärger zu Hause. Was ist mit 2 Jahren und ganz wenig Zinsen? OK, 79 Euro muss doch machbar sein, schnell bestellen, kann ich ja immer noch stornieren. Durchatmen und sacken lassen. Ich habe gerade mein Traumfahrrad gekauft! Echt jetzt? Das ging jetzt etwas zu gut und schnell.

Die Nacht drüber geschlafen und am nächsten Tag dann noch einmal alles überdacht und zu dem Entschluss gekommen, dass das zwar teuer, aber die beste Lösung für mich darstellt. Kaum Kompromisse und keine verschenkte Investition – vorausgesetzt das Rad ist so gut, wie ich es für den Preis erwarte. Das wird sich zeigen.

Also den Ratenkauf besiegelt und – da Fahrrad.de total überfordert war mit den anscheinend vielen Aufträgen – drei lange Wochen auf die Lieferung gewartet.

Nun ist es also seit knapp einer Woche da. Ich bin mittlerweile erst einmal am Wochenende damit bei uns auf dem Dorf unterwegs gewesen (zum Kennenlernen) und habe es zweimal zur Arbeit mitgenommen und damit in Hamburg benutzt. Der Plan ist der, dass ich Abends das Rad benutze, um knapp 5 km Bahnfahrt zu überbrücken, denn die S-Bahn auf diesem Abschnitt kommt seit einigen Monaten regelmäßig zu spät, wodurch ich meinen Anschluss nicht bekomme und regelmäßig 20 Minuten zu spät zu Hause ankomme. Morgens brauche ich das Rad nicht zwingend, fahre aber eben jetzt zur Bahn und dann in Hamburg vom Bahnhof Dammtor zum Gänsemarkt (Kaffee holen) und dann weiter zur Arbeit. Das spart aber max. 4 Minuten.

Wie ist es nun? Kurz: Es macht irren Spaß, ist aber – nach über 30 Jahren – doch anstrengender als gedacht. Das Rad hilft mir aber nach Kräften. Es ist einfach grandios: Der Gates-Carbon-Riemen lässt sich butterweich und sauber treten (und ist eben auch immer sauber, da ohne Fett), die Alfine-8-Gang-Schaltung schaltet ebenfalls leicht und unauffällig durch, die 20 Zoll Felgen und Ballonreifen laufen ruhig und sicher, die Scheibenbremsen greifen energisch zu. Das ganze Rad fährt sich annähernd wie ein großes und man hat durch den genialen Rahmen keinerlei Wackeln, Knarzen oder Unsicherheiten auch bei schnellem Tempo. Und das Rad hält gut mit! Ich bin nach so langer Zeit natürlich noch sehr vorsichtig unterwegs, maximal den 7. Gang benutze ich, das ist mir aber schon fast zu schnell. Da muss ich noch ein paar Wochen Routine aufbauen. Hamburg ist auch kein ganz ungefährliches Pflaster für Radfahrer, ohne Helm würde ich da nicht fahren wollen. Die 2 Tage mit Regen habe ich das Rad auch lieber stehen gelassen, das muss ich jetzt am Anfang noch nicht haben.

Insgesamt bin ich momentan begeistert von dieser Fahrmaschine, jetzt geht es natürlich auch noch um so Sachen wie:

  • welche Klamotten ziehe ich am besten an?
  • welche Tasche/Rucksack ist für mich am geeignetsten?
  • wie sieht es mit Regensachen aus?

Ich berichte wieder.