Meine Fahrmaschine: Tern Verge s8i.

Vor knapp einer Woche ist endlich meine Fahrmaschine angekommen. Nach über 30 Jahren habe ich wieder ein Fahrrad, das diesen Namen verdient und mich sicher und zuverlässig durch den Alltag bringen soll.

Lange habe ich überlegt, was mir wichtig ist und welches Rad mir die meisten meiner Wünsche erfüllen könnte. Dabei ging es um folgendes:

  • Es sollte im Berufsverkehr transportierbar sein (Bahn und Bus; hier in Hamburg kann man normale Räder erst ab 9 Uhr mitnehmen, Falträder sind aber jederzeit möglich).
  • Es sollte auch für längere Touren am Wochenende oder im Urlaub geeignet sein.
  • Daher sollte es auch problemlos im Auto transportierbar sein.
  • Auch schwereres Gepäck sollte für Touren zu befestigen sein.
  • So leicht wie möglich.
  • Keine Kettenschaltung bitte! Habe ich mich noch nie wohlgefühlt mit.
  • Keine Rücktrittbremse! dto.
  • So viele Gänge wie nötig, aber so wenige wie möglich.
  • Stabil und wendig und so leicht wie möglich.
  • Scheibenbremsen! Felgenbremsen traue ich nicht.
  • So klein wie möglich, aber so groß wie nötig.
  • Keine Experimente! Also keine besonders Design-orientierten oder mit technischen Neuerungen entwickelten Versuchsmaschinen.

Es kamen dann noch eine ganze Reihe kleinerer Punkte dazu, die Liste wurde immer länger, aber dadurch wurde es auch immer schwieriger, geeignete Räder zu finden. Typischerweise – für mich – kam ich dann an einen Punkt, wo ein paar Räder übrig blieben, bei denen jeweils irgendetwas fehlte und ich mich einfach für keins entscheiden konnte. Ein Rad kristallisierte sich aber dann als klarer Favorit für mich heraus: Das Tern Verge s8i. Es schwächelte nur in wenigen Bereichen:

  • Gewicht
  • Faltmaß
  • Preis!
  • P r e i s ! !

Der Preis lag weit über dem, was ich bereit war auszugeben. Daher ließ ich es erst einmal links liegen und konzentrierte mich auf andere Räder. Kurz wollte ich einfach auf Nummer sicher gehen und ein Brompton nehmen. Diese fand ich aber auch viel zu teuer und die Reifen dann doch zu klein. Außerdem auf meiner Liste der möglichen Räder: Birdy, Bernds und ein Tern der Link-Reihe. Aber das Problem blieb, die gut ausgestatteten Räder waren zu teuer (bei einem Birdy oder Bernds landet man auch ganz schnell über 2000 Euro) und die Tern-Link-Räder waren gut, aber nicht gut genug. Da fehlte mir immer irgendetwas.

Was tun? Nach gebrauchten Rädern forschen.

Bei Brompton ist das kein Problem eins zu finden, damit hatte ich aber abgeschlossen. Die Tern-Link-Räder hatte ich auch über. Birdys gab es manchmal, aber meist alte, abgerockte Geräte, während die neueren alle mit Kettenschaltung waren. Auch wieder nichts Passendes über Monate dabei. Einer meiner Favoriten – Bernds – vom Anfang wurde mir irgendwie immer unsympathischer, man kann ja bei jedem Fahrrad genug Negatives finden, aber bei den Bernds konnte ich das nicht ignorieren. Mein Nr. 1 Favorit, das Verge s8i, gabs gebraucht praktisch nicht, und wenn, dann quasi zum Neupreis oder knapp darunter. Ich gab auf und dachte schon, das wird nichts mehr.

Dann stieß ich durch Zufall auf eine Sommeraktion von fahrrad.de: viele Räder sowieso schon günstiger und zusätzlich noch 20 % Rabatt! Geguckt, mein s8i für 1800 und ein paar zerquetschte und dann noch mal minus 20 % – mmmmh, ist mir momentan echt zu teuer, aber was steht da, 0 % Finanzierung für 1 Jahr, das sind schlappe 176 Tacken im Monat, verdammt, das schaffe ich nicht und bedeutet Krach und Ärger zu Hause. Was ist mit 2 Jahren und ganz wenig Zinsen? OK, 79 Euro muss doch machbar sein, schnell bestellen, kann ich ja immer noch stornieren. Durchatmen und sacken lassen. Ich habe gerade mein Traumfahrrad gekauft! Echt jetzt? Das ging jetzt etwas zu gut und schnell.

Die Nacht drüber geschlafen und am nächsten Tag dann noch einmal alles überdacht und zu dem Entschluss gekommen, dass das zwar teuer, aber die beste Lösung für mich darstellt. Kaum Kompromisse und keine verschenkte Investition – vorausgesetzt das Rad ist so gut, wie ich es für den Preis erwarte. Das wird sich zeigen.

Also den Ratenkauf besiegelt und – da Fahrrad.de total überfordert war mit den anscheinend vielen Aufträgen – drei lange Wochen auf die Lieferung gewartet.

Nun ist es also seit knapp einer Woche da. Ich bin mittlerweile erst einmal am Wochenende damit bei uns auf dem Dorf unterwegs gewesen (zum Kennenlernen) und habe es zweimal zur Arbeit mitgenommen und damit in Hamburg benutzt. Der Plan ist der, dass ich Abends das Rad benutze, um knapp 5 km Bahnfahrt zu überbrücken, denn die S-Bahn auf diesem Abschnitt kommt seit einigen Monaten regelmäßig zu spät, wodurch ich meinen Anschluss nicht bekomme und regelmäßig 20 Minuten zu spät zu Hause ankomme. Morgens brauche ich das Rad nicht zwingend, fahre aber eben jetzt zur Bahn und dann in Hamburg vom Bahnhof Dammtor zum Gänsemarkt (Kaffee holen) und dann weiter zur Arbeit. Das spart aber max. 4 Minuten.

Wie ist es nun? Kurz: Es macht irren Spaß, ist aber – nach über 30 Jahren – doch anstrengender als gedacht. Das Rad hilft mir aber nach Kräften. Es ist einfach grandios: Der Gates-Carbon-Riemen lässt sich butterweich und sauber treten (und ist eben auch immer sauber, da ohne Fett), die Alfine-8-Gang-Schaltung schaltet ebenfalls leicht und unauffällig durch, die 20 Zoll Felgen und Ballonreifen laufen ruhig und sicher, die Scheibenbremsen greifen energisch zu. Das ganze Rad fährt sich annähernd wie ein großes und man hat durch den genialen Rahmen keinerlei Wackeln, Knarzen oder Unsicherheiten auch bei schnellem Tempo. Und das Rad hält gut mit! Ich bin nach so langer Zeit natürlich noch sehr vorsichtig unterwegs, maximal den 7. Gang benutze ich, das ist mir aber schon fast zu schnell. Da muss ich noch ein paar Wochen Routine aufbauen. Hamburg ist auch kein ganz ungefährliches Pflaster für Radfahrer, ohne Helm würde ich da nicht fahren wollen. Die 2 Tage mit Regen habe ich das Rad auch lieber stehen gelassen, das muss ich jetzt am Anfang noch nicht haben.

Insgesamt bin ich momentan begeistert von dieser Fahrmaschine, jetzt geht es natürlich auch noch um so Sachen wie:

  • welche Klamotten ziehe ich am besten an?
  • welche Tasche/Rucksack ist für mich am geeignetsten?
  • wie sieht es mit Regensachen aus?

Ich berichte wieder.